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Gewicht, Gewicht … wann reichen 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht für ein Reisemobil?

Ein Kommentar von Bernd Loewe

Seit 1999 sind die „normalen“ Führerscheine der Klasse B nur für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen gültig. Die Crux der Hersteller kann ich ja gut verstehen, kurz über lang wächst die Generation der Inhaber von 3,5 Tonnen Führerscheine heran. Also müssen Reisemobile in dieser Klasse verstärkt angeboten werden. Sicherlich lässt sich durch Leichtbauweise und Einsparung bei gewichtigem Zubehör das eine oder andere Kilogramm sparen. Aber viele Hersteller geben sich Illusionen hin, sie bieten Reisemobile mit einem offiziellen Leergewicht von 3,2 bis 3,3 Tonnen (Norm EN 1642-2 *), oft in der 7-Meter-Klasse an. Wenn dann das übliche Zubehör geordert wird, dann werden selbst ein paar Socken mitzunehmen problematisch, geschweige denn 2 Erwachsene oder gar 2 Kinder mit der entsprechenden Freizeitausstattung.Große Garagen verführen darüber hinaus diese auch auszunutzen. Wenn man dann noch bedenkt, dass oftmals im Kleingedruckten bei der Gewichtsangabe eine Toleranz von plus/minus 5% angeben wird, dann sind das bei 3.200 Kilogramm Gesamtgewicht schon 160 Kilogramm mögliche Abweichung von den Angaben im Prospekt! Sicherlich tendenziell eher plus, als minus!

Also lasst Euer neues Reisemobil vor der Auslieferung, am besten noch vor der Unterschrift auf dem Kaufvertrag, wiegen.

Der Trend geht zwar zum Leichtbau, aber die Reisemobile werden auch länger und breiter. Das hebt die Bemühungen des Leichtbaus weitgehend wieder auf. Aber wie wirkt sich der Leichtbau auf die Langlebigkeit der Reisemobile aus? Halten solche Fahrzeuge den ständigen Verwindungen des Aufbaus stand?

Rollende Luxusappartements können in der 3,5 Tonnen-Klasse nun mal nicht gebaut werden. Vielleicht sollte man sich auch mal an den Ursprungsgedanken des Campings erinnern, einfach und am Zweck orientiert. Aber das Gegenteil ist bei vielen Herstellern der Fall. Das dann bei einigen Herstellern während des Fahrbetriebs nur 20 Liter Frischwasser erlaubt sind, geht doch völlig an der Realität vorbei. Das z.B. TEC das Gewicht nur mit einer 11-kg Gasflasche angibt, grenzt schon an Lächerlichkeit. Diese Beispiele offenbaren aber auch die Hilflosigkeit der Hersteller.

Der Luxus in den Reisemobilen ist stetig gewachsen, der Kühlschrank mit 150 Liter (wofür nur?), die Markise 5 Meter, die Klimaanlage auf dem Dach, eine Sat-Anlage und vieles mehr wird angeboten. Ruckzuck werden über 150 Kilogramm Mehrgewicht erreicht. Nicht zu vergessen die Mehrausstattungen des Fahrgestells. Große Maschine, Automatik, Klimaanlage, schon sind gut 100 Kilogramm Mehrgewicht erreicht. Hier hilft nur eins, mit sehr spitzem Bleistift jedes Kilogramm an Zubehör addieren. Wenn dann noch um die 400 Kilogramm (bei 2 Personen) und über 500 Kilogramm (bis 2/2 Personen) Zuladung übrig bleibt, dann können auch z.B. noch die Fahrräder mitgenommen werden.

Reisemobile über 6 Meter in der 3,5 Tonnen-Klasse? Das passt in den meisten Fällen nicht zusammen!

Alle Reisemobile, die über 6 Meter Aufbaulänge in der 3,5 Tonnen-Klasse angeboten werden, sind aus Gründen der Zuladung nicht selten ständig überladen. Sicherheit muss eine wesentliche Kaufentscheidung werden. Das Fahrgestell muss den Belastungen standhalten. Das fängt bei den Reifen an, geht weiter mit den Bremsen, mit den Stoßdämpfern und hört bei den Achslasten auf.


Rechnen Sie mit der Exceldatei als Hilfsmittel für den Reisemobilisten von Manfred Kletzien nach.

Schweiz: Nulltoleranzregelung bei Gewichts- und Achslastüberschreitungen..


Die Alternative, ein Reisemobil mit über 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht

Es gibt aus meiner Sicht über 6 Meter Aufbaulänge nur eine Alternative, ein Reisemobil über 3,5 Tonnen. Tempo 100 km/h auf den Autobahnen in Deutschland ist völlig ausreichend, der Gewinn an Gelassenheit und Sicherheit enorm. Das Reisemobile bis 3,5 Tonnen auf der Autobahn so schnell fahren dürfen, was der Motor hergibt, halte ich für eine Fehlentwicklung. Alles was deutlich über 100 km/h hinausgeht, beeinträchtig die Sicherheit überproportional, der Bremsweg wird unendlich lang, Notfallausweichmanöver enden dann fast unausweichlich in der Leitplanke. Das Lkw-Überholverbot für Reisemobile über 3,5 Tonnen immer zu beachten ist schon ein anderes Problem. Das wäre doch mal ein Thema für die Lobbyisten in der Reisemobilszene.

Also ihr Nachwuchsreisemobilinteressenten, wollt ihr unbeschwert in den Urlaub fahren? Dann führt kein Weg daran vorbei, macht den entsprechenden Führerschein C1 bis 7,5 Tonnen und gleitet in sicherer „Reisebusgeschwindigkeit“ in den Urlaub. Aber auch für die Inhaber der alten Führerscheine, Augen auf beim Reisemobilkauf! Es ist doch völlig unerheblich, ob man auf einer Strecke von 500 Kilometern ein Stündchen - abgesehen von sinnvollen Pausen - länger fährt oder nicht. Oder?

*) Gewicht in der Norm nach der Formel EN 1646-2

Nach dieser Norm wird die Masse im fahrbereiten Zustand eines Reisemobils ermittelt. Dazu gehört der volle Dieseltank, das Bordwerkzeug und ein Reserverad. Der Fahrer wird mit 75 Kilogramm bereits mit eingerechnet. Und praxisgerecht wird der Frischwassertank mit 90% Füllung und vollem Warmwasserboiler mit eingerechnet. Die 90% werden auch beim Gasvorrat einkalkuliert. Dazu kommt eine Kabeltrommel und eine Aufbaubatterie. 

Aus promobil 4/2009: „Kaum eine Norm für Reisemobile ist so wichtig wie die DIN EN 1646 Teil 2. Kein Wunder, regelt sie doch Gewichtsverhältnisse und Zuladung, die Hersteller und Kunden oftmals vor große Herausforderungen stellen.

Die DIN EN 1646-2 definiert unter anderem die s.g. Grundausstattung. Sie ist Teil der Masse im fahrbereiten Zustand, an der sich Kunden orientieren, wenn sie die Zuladung ihres Reisemobils berechnen wollen. Nach der DIN EN 1646-2 2008 zählen statt früher 90 nun 100 Prozent des Frischwassertank- und des Gasflascheninhalts zur Grundausstattung. Damit fand eine längst überfällige Anpassung an die StVZO statt. Was die Hersteller nun aufs Leergewicht draufpacken müssen, sparen sie an anderer Stelle wieder ein: Die Anzahl der Gasflaschen wird nämlich definiert durch die Anzahl der eingebauten Regler. Das ist serienmäßig meistens nur einer. Macht bei der Abgabe des Leergewichts immerhin rund 23 Kilogramm weniger.“

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