Es ist unsere kleine Welt - wir haben nur "die Eine". Es liegt an uns, sie für unsere Kinder zu bewahren. Damit unsere Kinder nie fragen müssen:  "Wieso habt Ihr eigentlich nichts gemacht?"

Federtypen - Stahl - Luft - AirDays bei Goldschmitt

Vom 20. Mai bis 22. Mai 2011 fanden die "AirDays" bei Goldschmitt in Kooperation mit promobil in Walldürn statt. Über die lehrreiche Veranstaltung habe ich im Forum der promobil berichtet. Hier meine Erkenntnisse über die technische Seite zur Fahrwerksoptimierung während der "Luft-Tage".

Zunächst eine grundsätzlich Einschätzung. Unsere Freizeitfahrzeuge basieren in der Regel auf Transporterfahrgestellen. Solche Fahrgestelle sind für s.g. Wechsellasten ausgerichtet, also mal Leerfahrten, mal mittlere Auslastung, mal volle Auslastung. Unsere Mobile werden "auf großer Fahrt" nicht selten an der Zuladungsgrenze oder gar drüber bewegt. Das bedeutet für das Fahrgestell stets volle Beanspruchung, die serienmäßigen Fahrwerkselemente sind nicht selten überfordert.

Aber es gibt ja Optimierungsmöglichkeiten.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Federtypen, zunächst die Stahlfedern in Form von Drehstabfedern, Schraubenfedern und Blattfedern. Damit ausgerüstet bewegen sich die meisten Transporterfahrgestelle auf den Straßen. Aber auch diese Elemente lassen sich optimieren, der Vorteil, relativ kostengünstig und einfach in der Montage. Allerdings können Stahlzusatzfedern nicht individuell an die aktuelle Beladung angepasst werden.

Wir Reisemobilsten sollten uns überlegen, ob wir nicht das stets strapazierte Fahrwerk aus Sicherheitsgründen (Wanken) und aus Komfortgründen (Niveaureglung) verbessern. Daher gehe ich intensiver auf die Luftfedern ein. Eingesperrt in einen flexiblen Gummihohlkörper bildet Luft ein optimales Federmedium, mit dem ein geschickter Fahrwerkstechniker wahre Wunderdinge vollbringen kann. Eine Stahlfeder kann nachträglich in ihrer Charakteristik nicht mehr verändert werden, aber eine Luftfeder sehr wohl.

Es gibt zwei Arten der Luftfederung, die Zusatzluftfeder und die Vollluftfeder.

Zunächst die Zusatzluftfeder, es gibt unterschiedliche Konstruktionen:

Doppelfaltenbalg
Einkammerbalg PolyBag
Kegelbalg
Alle Bilder mit freundlichem Einverständnis der Goldschmitt techmobil AG

Im Gegensatz zu Stahlfedern bieten Zusatz-Luftfedern den Vorteil, dass sie manuell dem aktuellen Ladezustand angepasst werden können. Ist das Reisemobil leer kann man Luft ablassen um dem Fahrkomfort zu wahren, wird das Mobil beladen, man man mittels eingebautem Kompressor die Bälge füllen und so das Mobil wieder auf Fahrniveau anheben, ebenso ist auch ein gewisser Ausgleich von Seitenneigung möglich. Die Firma bietet nahezu für jedes Fahrgestell spezifische Zusatz-Luftfedern an. Die fünf oben vorstellten Typen bilden dafür die Grundlage, diese wiederum differieren je nach Platzverhältnissen und vieles mehr. Hier hilft nur eine intensive fahrzeugspezifische Beratung durch die Fachleute bei Goldschmitt. Klar, die Zusatz-Luftfeder gibt es nicht umsonst, aber der Preis ist noch erschwinglich und der Sicherheitsgewinn eigentlich unbezahlbar.
Rollbalg

Mein 5-Tonner (Freigabe 5,3 t von MB liegt vor) Sprinter fährt mit einer Zusatzluftfeder an der Hinterachse, "garniert" mit Koni-Stoßdämpfern und einem stärken Stabilisator aus dem Hause Goldschmitt. Was ein deutliches stabileres Fahrverhalten ergeben hat. Mehr auf www.mobilloewe.de Inzwischen kann auch die Vorderachse mit einem anderen Federblatt durch eine neue Goldschmitt Konstruktion optimiert werden. Allerdings wird das Mobil dabei vorne um mindestens 4 cm angehoben, mehr Bodenfreiheit und angeblich mehr Komfort. Ich überlege noch ...

Das Fahrverhalten der FIAT, IVECO VW und Ford-Fahrgestelle lässt sich natürlich auch optimieren. Die Luftfedern gelten als sehr ausgereift, zum Teil wird auf die Bälge eine lebenslange Garantie geboten. Ausfälle sind so gut wie nie zu verzeichnen. Viele der angebotenen Produkte bieten darüber hinaus Notlaufeigenschaften, eine Gefahr kann in so einem unwahrscheinlichen Fall nicht entstehen, da die serienmäßigen Federungselemente ja noch vorhanden sind.

Jetzt das Optimum, die Vollluftfeder

Im Jahr 2007 konnte Goldschmitt die weltweit erste
Vollluftfeder für die Vorderachse des Iveco Daily vorstellen. Seitdem wurden zahlreiche revolutionäre Entwicklungen präsentiert. Man unterscheidet in 2-Kanal und 4-Kanal Anlagen. Während sich die Zweikanalanlage sich auf die Hinterachse beschränkt, ist die Vierkanalanlage sowohl auf der Hinter-, als auch auf der Vorderachse verbaut. Die Elektronik erkennt den Beladungszuzstand des Reisemobils und regelt die Fahrzeughöhe permanent je nach Belastung. Das ist schon ein Highligt! Aber auch individuelle Eingriffe sind möglich, z.B. eine Schräglage herstellen, damit die Tanks optimal entleert werden können oder auf dem Stellplatz das Mobil ausrichten.

Auch bei der Vollluftfeder ist ein hoher Sicherheitsfaktor eingebaut, sollten Steuerungselemente mal ausfallen, kann mit einem manuellen Eingriff sicher weiter gefahren werden.

Dieser Komfort pur hat allerdings auch seinen Preis, mein Budget gab das leider nicht mehr her. So entscheide sich ein jeder nach dem Portmonee.

Bernd Loewe im Mai 2011

Zurück